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SWR2 Zeitgenossen
Wir sprechen jede Woche mit Zeitgenossen, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken: Sie sind Aktivist*innen, Künstler*innen oder Forscher*innen. Sie haben Zeitgeschichte erlebt und geprägt – und sie haben viel zu erzählen. Zur ARD Audiothek: https://www.ardaudiothek.de/sendung/swr2-zeitgenossen/8758618/
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Episodios
Alice Horáčková: „Mein Opa wollte nach dem Krieg 100 Prozent Tscheche sein“ 10.10.2026 43:51
„Schmerzhaft und therapeutisch“, sagt Alice Horáčková, sei das Schreiben an ihrem Buch „Geteiltes Haus“ gewesen. Die tschechische Journalistin erzählt darin vom Schicksal eines kleinen Bergdorfs im ehemaligen Sudetenland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: was Deutsche und Tschechen während zweier Weltkriege aneinander angetan haben. „Geteiltes Haus“ ist Roman und zugleich das Ergebnis eine...
Anke Feuchtenberger: „Bei mir ist ein großes Gefühl für Solidarität geblieben“ 03.10.2026 45:22
„Alle Frauen sind mutig, stark und schön!“ Den Satz schrieb Anke Feuchtenberger, geboren 1963 in Ost-Berlin, im Wendejahr 1990 auf das Plakat zur Gründung des „Unabhängigen Frauenverbands“. Damit wurde sie bekannt. In der Comic- und Graphic-Novel-Szene verehrt man sie international für ihre Bücher, etwa für „Genossin Kuckuck“, eine zugleich autobiografische und fantastische Geschichte über 40 Jahr...
Sasa Hanten: „Subversive Strategien sind genau mein Ding“ 26.09.2026 45:05
„Talent zum Glück“. Der Erbe eines Schausteller-Imperiums hat es im gleichnamigen ersten Roman von Sasa Hanten, Rechtsanwältin, Kunstsammlerin und Kolumnistin, aufgewachsen auf einem Bauernhof, Internat in Kaiserslautern. Worin besteht dieses Talent, im Roman wie im Leben? „Die Welt so zu formen, dass die Wahrscheinlichkeit für Glück sich erhöht“. Insgesamt sei ihr Roman ein Aufruf zur Opulenz, vo...
Marieke Reimann: „Der negative Ton sorgt für Verdruss“ | Lukas Rietzschel: „Man kann den Osten nicht generalisieren“ 19.09.2026 45:43
Menschen mit Ost-Biografie seien nicht ausreichend vertreten in Politik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Außerdem würden ostdeutsche Realitäten oft verzerrt dargestellt. Erklärt die Publizistin Marieke Reimann und fordert eine „zweite Wende“. Ostdeutsche Biografien beschreibt der Schriftsteller Lukas Rietzschel in Romanen und Theaterstücken, zum Beispiel über das Leben eines AfD-Polit...
Monchi: „Ich hab‘ Bock auf konstruktives Streiten“ | Jana Hensel: „Die westdeutsch dominierte Politik hat Fehler gemacht“ 12.09.2026 45:52
Zwei prominente ostdeutsche Stimmen zum Erfolg der Rechten. Die Publizistin Jana Hensel erklärt, „warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet“. Und meint, eine westdeutsch dominierte Politik habe seit der Wende dazu geführt, dass eine in Teilen rechtsextreme Partei im Osten zur stärksten politischen Kraft werden konnte. Was tun, wenn nicht mit der AfD Reden nicht mehr geht, weil die Nach...
Carolin Amlinger: „Alles, was der AfD schadet, nutzt der Demokratie“ 05.09.2026 44:22
„Seit den 1930er Jahren hat die radikale Rechte keinen solchen Aufschwung erlebt“, sagt Carolin Amlinger. Die Literatursoziologin diagnostiziert aktuell eine grassierende „Zerstörungslust“ als Kern dessen, was sie „Demokratischen Faschismus“ nennt. Statt sich programmatisch rechten Parteien wie der AfD anzunähern, fordert sie die Parteien der politischen Mitte auf, eigene Zukunftsvisionen zu entwi...
Frauke Brosius-Gersdorf: „Gute Politik ist der beste Schutz gegen extreme Kräfte“ 29.08.2026 44:20
„Diese Politisierung der Richterwahl darf sich nicht wiederholen“, fordert die Professorin für Öffentliches Recht, Frauke Brosius-Gersdorf. Eine aggressive, antifeministische Verleumdungskampagne hatte ihre Wahl zur Bundesverfassungsrichterin vor einem Jahr vereitelt. In ihrem aktuellen Buch „Wahl und Wahrheit“ verarbeitet sie die Ereignisse und ruft dazu auf, aus dem Geschehenen zu lernen. Nur so...
Eva-Maria Lopez: „Wir sind angewiesen auf die Migration von Pflanzen“ 15.08.2026 44:32
Welche Natur ist einheimisch? Wenn selbst die Pfälzer Kartoffel ein Pflanzenmigrant ist, das Basilikum nicht aus Italien stammt, die Birne nicht von der Schwäbischen Alb kommt und Zuckerrohr um die halbe Welt reisen musste, um in Kuba angepflanzt zu werden. Spätestens seit der Atlantiküberquerung von Columbus ist Natur globalisiert worden. Die Künstlerin und Agrarwissenschaftlerin Eva-Maria Lopez...
Tilo Wesche: „Wir brauchen eine Rechtsgemeinschaft von Mensch und Natur“ 08.08.2026 49:20
Alle bisherigen Strategien der Nachhaltigkeit reichen nicht, um die Ökologiekrisen zu beenden – sagt Tilo Wesche, Autor des Buchs „Die Rechte der Natur“ und Professor für Praktische Philosophie: Grünes Wachstum und saubere Technologien, auch die Appelle an die Verantwortung Einzelner – mehr Bio, kein Fleisch, keine Verbrenner, nicht Fliegen – sind zu wenig, um Ressourcenerschöpfung, Klimakrise, Ar...
Annette Kehnel: „Nachhaltigkeit muss nicht neu erfunden werden“ 01.08.2026 44:37
„Wir konnten auch anders“. Die Mannheimer Historikerin Annette Kehnel beschreibt in ihrer kurzen Geschichte der Nachhaltigkeit, wie es Menschen hierzulande früher gelungen ist, Naturgüter zu nutzen ohne Ressourcen zu erschöpfen, zu vergiften oder zu vermüllen – Strategien, die wir von früheren Generationen lernen können, etwa vom gemeinschaftlich organisierten, gemeinwohlorientierten, mittelalterl...
Anne Duk Hee Jordan: „Andere Ökosysteme sind viel wichtiger als wir“ 25.07.2026 43:24
Sie kreiert „essbare Tischlandschaften“, in denen alles kompostierbar ist, auch der Teller aus Birkenrinde. Und wenn Käfer in toten Bäumen leben, dann ist das für sie ein „großes Fressen“, mit dem sie neuen Humus schaffen – „Brakfesten“ nennt die Künstlerin ihren Film über diese Folge der Klimakrise. Auch in ihren Installationen zeigt Anne Duk Hee Jordan, aufgewachsen in der Südpfalz, Ökosysteme,...
Katrin de Vries: „Ich habe gemerkt, dass ich selbst das Problem bin“ 18.07.2026 45:24
Zuerst hat sie aufgehört den Rasen zu mähen. Dann begann sie zu beobachten, was plötzlich alles sprießt, wo vorher eine grüne Wüste war – wenn Gras wächst, wie das Gras will und nicht, wie der Mensch will. Auch wenn Pflanzen selbst entscheiden, wo sie am besten gedeihen, Erdbeeren zum Beispiel gerne neben Knoblauch. Kontrolle abgeben, Herrschaft aufgeben: So entwickelte die Schriftstellerin Katrin...
Udo Dahmen: „Ich wollte mich immer ausleben mit dem, was ich tue“ 11.07.2026 43:16
„Erklär mir Pop“. Udo Dahmen kann das und macht es seit 2013 in SWR KULTUR am Samstagnachmittag. 20 Jahre lang war er künstlerischer Direktor, Geschäftsführer und Professor der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, einer in dieser Form einzigartigen Institution, die er maßgeblich mitaufgebaut hat. Seit mehr als 40 Jahren setzt er sich für die Aus- und Weiterbildung im Pop ein. Und ist selbst...
Tupoka Ogette: „Natürlich gehören Menschen wie ich zu dieser Gesellschaft“ 04.07.2026 42:32
„So beginnt meine Geschichte: als Tochter einer weißen Frau und eines Schwarzen Mannes – zwischen kolonialer Vergangenheit und DDR-Diktatur“. Schreibt Tupoka Ogette in ihrem aktuellen Erinnerungsbuch „Trotzdem zuhause“. Geboren wurde die Autorin 1980 in Leipzig. Kurz vor der Wende verließ sie mit ihrer Mutter die DDR und zog nach West-Berlin. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Antirassismus-Train...
Liya Yu: „Wir brauchen mehr Hirn und weniger Moral“ 27.06.2026 42:20
„Wenn wir verstehen, wie unser Gehirn funktioniert, kann uns dieses Wissen helfen, als Gesellschaft zu funktionieren“, sagt die neuropolitische Philosophin Liya Yu. Erst wenn man zum Beispiel erkennt, was das Gehirn von Rassisten triggert, könne man verstehen, weshalb Menschen, die nicht zu einer In-Gruppe zählen, entmenschlicht und diskriminiert werden. Liya Yu ist überzeugt: „Es geht darum zu ve...
Gabriele Stötzer: „Ich wische das Ausgeliefertsein weg“ 20.06.2026 45:21
Lange wurde ihre Kunst wenig beachtet, jetzt wird das Werk von Gabriele Stötzer, geboren 1953, mit einer Retrospektive im Berliner Gropius-Bau und dem Goslarer „Kaiserring“ geehrt. Gewürdigt wird damit auch ihr Widerstand in der DDR und ihr Engagement für künstlerische Freiheit. Von der Stasi wurde sie inhaftiert, weil sie gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierte. Die Zeit im Frauengefän...
Iryna Fingerova: „Flucht ist keine Urlaubsreise“ 13.06.2026 44:25
Mit Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Depressionen kamen ukrainische Geflüchtete nach dem russischen Angriff auf die gesamte Ukraine im Februar 2022 in die Dresdener Arztpraxis von Iryna Fingerova. Die Diagnose, die sie alle teilten: „Krieg“. Geboren wurde die Ärztin und Schriftstellerin 1993 in eine jüdische Familie in Odessa. Vor dem Krieg, der 2014 begann, flüchtete sie nach Isr...
Philip Manow: „Demokratie beweist sich immer erst im Nachhinein“ 06.06.2026 44:21
Alle reden von der Krise der Demokratie, der Politikwissenschaftler Philip Manow analysiert sie. Und fragt nach den Ursachen für die Popularität der Rechten. Seine Diagnose: Der schrumpfende staatliche Handlungsspielraum, Brüssel statt Berlin, Recht statt Politik und der gefühlte Kontrollverlust machen die AfD stark. Um die Rechten und Rechtsextremen zu bekämpfen, müsse die liberale Demokratie ihr...
Michael Dressel: “Ich gehe als kalter Beobachter durch die Welt“ 04.06.2026 44:24
„The End is Near, Here”. Heißt das große Fotobuch von Michael Dressel, entstanden am Vorabend der Wahl von Donald Trump zum 47. US-Präsidenten. In seiner Street-Fotographie wird ein Land sichtbar, das viel soziales Elend und waffenstarrenden Schrecken produziert – insgesamt eine Gesellschaft am Abgrund. Geboren 1958 in Ost-Berlin, verbrachte Michael Dressel nach missglückter Flucht zwei Jahre in D...
Dilek Güngör: „Für meine Eltern war immer klar, wir bleiben hier“ 30.05.2026 44:07
Die Schriftstellerin Dilek Güngör will die Welt nicht in „die einen“ und „die anderen“ aufgeteilt wissen. Im Kleinen etwas zu tun, ist ihre Strategie gegen eine zunehmend auseinanderdriftende Gesellschaft. Das schafft Verbindung, glaubt die in Schwäbisch Gmünd geborene Autorin. Ihre Figuren haben oft mit Fremdzuschreibungen zu tun, etwa im Roman „Ich bin Özlem“. Und wollen ihre Geschichte selbst e...
Hartmut Rosa: „Das Verfügbarmachen der Welt erzeugt Monster“ 25.05.2026 44:24
„Nur wo wir handeln, fühlen wir uns lebendig“. Diese menschliche Konstante drohen wir zu verlieren, warnt der Soziologe Hartmut Rosa, wenn wir uns zunehmend von KI und Algorithmen steuern lassen: wenn wir uns freiwillig in Konstellationen begeben, Protokolle bedienen, Optionen wählen, Formulare ausfüllen. Unser Spielraum für eigenes Handeln verringere sich dadurch. Auch das moralische Urteilsvermö...
Olaf Salié: „Unabhängig sein, das habe ich früh entwickelt“ 23.05.2026 46:48
Für Olaf Salié verkörpert das französische Chanson eine Lebensphilosophie: „Das Chanson predigt Individualismus. Es ermutigt, einen eigenen Weg zu gehen“. Zum Beispiel, weil Liebe und Freiheit immer zusammengedacht werden. Damit haben große Chansonnièren wie Juliette Gréco das Bild der emanzipierten, auch sexuell unabhängigen Frau geprägt. Als Arbeiter- und Kampflied hat das Chanson soziale Missst...
Roland Emmerich: „Was auch immer ich mache, muss groß sein“ 16.05.2026 41:51
Er ist ein Meister der Apokalypse. Wenn auf der Leinwand die Welt untergeht, steckt oft Roland Emmerich dahinter. Der international gefeierte Regisseur ist bekannt für spektakuläre Katastrophenfilme wie „The Day After Tomorrow“ und „Independence Day“. Wie entstehen Weltuntergangsszenarien fürs Kino? Was treibt ihn an, ganze Städte einstürzen zu lassen und den Himmel in Flammen zu setzen? Und welch...
Alexander Alberts-Dakash: „Die Suche nach den leiblichen Eltern kostet sehr viel Kraft“ 14.05.2026 44:18
Am Anfang stand die Frage, wer die eigenen, biologischen Eltern sind. Danach hat Alexander Alberts-Dakash die genealogische Recherche zu seiner Profession gemacht: Auf der Basis von Speichelproben und DNA-Profilen forscht der DNA-Detektiv in Kirchenbüchern, Sterberegistern und anderen Dokumenten nach der Herkunft seiner Klienten, in der Regel Adoptiv-, Spender- oder Kuckuckskinder. Das Wissen über...
Beate Söntgen: „Der Künstler braucht das Ideal mehr als die echte Frau“ 09.05.2026 44:33
Mit der antiken Sage von Orpheus, dem Dichter und Sänger, beginnt der Mythos des Künstlers – der Mann als Genie. Diesen Mythos erzählt die Inszenierung der Barock-Oper „L’Orfeo“ bei den Schwetzingen SWR Festspielen. Am Ende zerreißen Frauen den Künstler, der sie erst zur Inspiration braucht und dann zum Material macht. Wie sollen Künstlerinnen auf diesen Männermythos reagieren? Kopieren, konterkar...
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