Wolfgang Franßen
Der Literaturpodcast der vergessenen Bücher
Wir werden erschlagen von einer Flut an Neuerscheinungen. Niemand ist in der Lage, sie alle zu lesen. Wir pflegen unsere Lieblingsautoren/innen, folgen unserer Neugier und Empfehlungen, sind von manchem Buch enttäuscht, andere wiederum wünschen wir viele Leser. Dieser Podcast widmet sich den vergessenen Bücher und den Neuerscheinungen, die in den Regalen der Buchhandlungen verstauben. Jeden Mittwoch von nun an eine Autorin oder ein Autor. Die Welt der Literatur wächst mit jedem Jahr. Also schauen sie mir über die Schultern, vielleicht ist ja etwas für sie dabei.www.wolfgangfranssen.de
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Wolfgang Franßen
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Jul 8, 2026
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Episodes
Franßen zu Max Frisch "Stiller" 07.09.2022 2:18
"Ich bin nicht Stiller." Wohl kaum hat es in der Literatur ein Satz so auf den Punkt gebracht. James Larkin White wird bei seiner Einreise in die Schweiz festgenommen. Mit gefälschten Papieren erwischt. Da verstehen Grenzer keinen Spaß. Für sie ist dieser White jemand anderer. Mag er sich auch noch so sehr dagegen wehren. Bei ihm soll es sich um den verschollenen Bildhauer Anatol Ludwig Stiller ha...
Franßen zu Richard Ford "Unabhängigkeitstag" 31.08.2022 2:37
Es ist der 4. Juli 1988. Der USA steht ein weiterer Unabhängigkeitstag bevor. Franck Bascombe, den wir bereits aus "Der Sportreporter" kennen, verdient inzwischen sein Geld als Immobilienmakler. Im Vorfeld des Crashs, der Jahre später die Wall Street ins Wanken bringt, die Hausbesitzer wegen zu hoher Kredite in den Ruins führen wird und uns allen den Begriff Bad Bank einbringt. Er ist geschieden,...
Franßen zu José Eduardo Agualusa "Die Gesellschaft der unfreiwilligen Träumer" 24.08.2022 2:27
Da ist Daniel Benchimol, der immer wieder von derselben Frau träumt und ihr lediglich im Schlaf begegnet. Soll ja vorkommen. Auch, dass man selbst nicht mehr träumt wie bei Benchimols Freund Hossi. Der wiederum taucht vermehrt in den Träumen anderer auf und sorgt für Verwirrung. Hossi ist ein Unangepasster, ein Guillermo.
Franßen zu Brian Moore "Dillon" 17.08.2022 2:13
Der Manager des Clarence Hotel in Belfast wird erpresst. Jugendliche Anhänger der IRA dringen in sein Haus ein, und fordern ihn auf, seinen Wagen, indem sie eine Bombe platziert haben, vor dem Hotel zu parken, wo am nächsten Tag eine Versammlung protestantischer Militanter abgehalten wird. Noch ist das Freitagsabkommen in weiter Ferne.
Franßen zu Teju Cole "Open City" 10.08.2022 2:13
Seit Ulysses brechen immer wieder Autoren auf und lassen sich durch eine Großstadt treiben. Was bei Joyce eine tiefe Verbindung zu Dublin widerspiegelt, unterliegt in "Open City", der Suche nach einem Zuhause, nach einer Sicherheit, die es nicht gibt. Der Flaneur, der Intellektuelle ist zum Beobachter degradiert. Tag für Tag aufs neue erobert er die Stadt.
Franßen zu Zadie Smith "Zähne zeigen" 03.08.2022 2:30
Am Neujahrsmorgen 1975 missglückt ein Selbstmordversuch, was tragisch-komisch ist, weil der verhinderte Selbstmörder sich in derselben Nacht in Clara, der Tochter eines jamaikanischen Einwanderers, verliebt. Archie, so heißt der vermeidliche Unglücksrabe, ist befreundet mit Samad. Die beiden verbindet ihr Einsatz im Zweiten Weltkrieg. Weitab von der Front, wo sie in den letzten Kriegstagen betrunk...
Franßen zu John Williams "Stoner" 27.07.2022 2:19
John Williams "Stoner" ist eine Geschichte voller leiser Sprengkraft über die Lieblosigkeit. Edith zieht sich immer mehr von ihm zurück. Nach außen ein tolles Paar, nach innen versteinert. Was hält solche Menschen zusammen: Ein Kind.
Franßen zu Ivan Gontscharow "Oblomow" 21.07.2022 2:28
In Iwan Gontscharows Klassiker "Oblomow" wird der Mittagsschlaf zum wichtigsten Tagespunkt eines russischen Adligen. Aller materieller Nöte enthoben führt seine Trägheit zu einem permanenten Zustand der Erschöpfung. Nichts ist so anstrengend wie das Nichtszutun. Anfallende Entscheidung belasten ihn, werden lieber erst mal aufgeschoben. Bloß nichts überhasten. Bloß keine übereilten Schritte.
Franßen zu David Peace "Tokio, besetzte Stadt" 13.07.2022 2:31
Ein angeblicher Amtsarzt betritt eine Filiale der Teikoku Bank und behauptet, dass in der Nachbarschaft Fälle von Ruhr aufgetreten sind. Im Auftrag des Gesundheitsministeriums soll er nun alle Angestellten impfen. Zwölf von ihnen werden sterben, der Rest bewusstlos. Ein eisiger Hauch zerstörter Seelen zeichnet das Bild von David Peace Nachkriegs-Tokio 1948.
Franßen zu Klaus Mann "Mephisto" 06.07.2022 2:34
Mit einem Publikationsverbot wegen Verletzung von Gründgens Persönlichkeitsrechts in den 1960er Jahren belegt und verdankte der Roman Theater und Film 1981 seine Wiederentdeckung. Klaus Mann legte Wert darauf, dass es sich bei den Figuren nicht um Porträts handelte, was schwer von der Hand zu weisen war. Zu nahe war Höfgen Gustav Gründgens.
Franßen zu Siri Huvstedt "Was ich liebte" 29.06.2022 2:31
Im Roman erzählt der fast erblindete siebzigjährige Ich-Erzähler Leo Hertzberg von der Freundschaft zu Bill Wechsler, dem Maler, und den Frauen, die sie zu lieben vorgeben. Sie alle führen ein Intellektuellenleben, das auf übermäßige Leidenschaft verzichtet und deswegen scheinbar Bestand hat.
Franßen zu Bret Easton Ellis "Imperial Bedrooms" 22.06.2022 2:40
Nach dem Erscheinen von "Unter Null" sahen viele Rezensenten den Autor seiner Generation in ihm, um ihn, als er mit "American Psycho" Kultstatus erreichte, zu verdammen. Zu kalt, zu zynisch, zu stupide wegen seitenlanger Aufzählungen von Markennamen zu stylish. Dabei waren das 1980er Jahre.
Franßen zu Raymond Carver "Stories" 15.06.2022 2:18
Vier Bände reichten, um Raymond Carver unsterblich zu machen, und bist heute streiten sich Kritiker darüber, ob es nicht doch eher sein Lektor, Gordon Lish, war und nicht der Autor, der die Geschichten von all dem befreite, was sie ausschmückte.
Franßen zu Ottessa Moshfegh "McGlue" 08.06.2022 2:16
Ottessa Moshfegh eröffnet ihren Roman "McGlue" wie ein klassisches Seefahrerabenteuer und stellt sogleich sie die Frage, hat McGlue Johnston wirklich umgebracht? Alle Indizien sprechen gegen ihn, aber er erinnert sich halt nicht. Und das nicht, weil er sich Lücken auferlegt, um den Prozessbeginn aufzuschieben, oder dem Strang zu entgehen. Er hat schlicht und einfach seinen Verstand versoffen.
Franßen zu Javier Marias "Mein Herz so weiß" 01.06.2022 2:34
Eine Frau nimmt sich in "Mein Herz so weiß" das Leben. Sie ist die Tante des Ich-Erzählers Juan. Sie haben sich nie persönlich kennengelernt, da Juan zum Zeitpunkt des Selbstmords noch nicht geboren war. Warum hat sie das getan, fragt er sich. Zumal gleich nach der Hochzeitreise. Nicht nach einem Schicksalsschlag, nicht wegen einer schweren Krankheit. War es eine Verzweiflungstat?
Franßen zu Jon Fosse "Das ist Alise" 25.05.2022 2:15
Eine schmale Novelle aus dem Norwegischen erschien in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Schenkel 2003 im Mare Verlag. "Das ist Alise" von Jon Fosse. Wer den Theatermann bis dahin nicht kannte, begegnete in ihr einem Autor, der sich dem Minimalismus verschrieben hat. Seine Geschichte der Signe ist sprachlich nicht üppig ausgestattet, sie unterliegt dem Skalpell eines Autors, der alles Überflüssig...
Franßen zu Colum McCann "Der Himmel unter der Stadt" 18.05.2022 2:28
In der Übersetzung von Matthias Müller führt uns McCann in das Tunnelsystem unterhalb New Yorks ein. In einen Zufluchtsort für alle hoffnungslos Gestrandeten. Noch leben die alten Geschichten vom Tunnelbau und seiner Opfer weiter. Verbinden das Leben im Dunkel mit der Erschaffung der Neuen Welt.
Franßen zu Knut Hamsun "Hunger" 11.05.2022 2:21
Knut Hamsuns "Hunger" ist unsterblich, seiner damaligen Zeit weit voraus. Halb dem Wahnsinn verfallen, von Hunger zerfressen, irrt ein Ich-Erzähler durch Kristiana, während die Artikel, die er bei einer Zeitung unterzubringen versucht, selten angenommen werden. Als der Roman 1890 erschien, gab es ein solch schonungslose Beschreibungen einer Randexistenz nicht.
Franßen zu Allan Hollinghurst "Die Schönheitslinie" 04.05.2022 2:19
Allan Hollinghursts Roman "Die Schönheitslinie" führt uns in der Übersetzung von Thomas Steger in den Sommer 1983. Ein Zwanzigjähriger zieht in eine Dachkammer in Notting Hill. Nick, der den bezeichnenden Nachnamen Guest führt, taucht in die Welt des Luxus ein, in der es weniger darauf ankommt, was er kann, als vielmehr darauf, wen einer kennt. Nick ist homosexuell, der Provinz entflohen und legt...
Franßen zu Mark Twain "Knallkopf Wilson" 27.04.2022 2:28
In "Knallkopf Wilson" in der Übersetzung von Reinhild Böhnke kommt es zu einem Diebstahl im Haus von Percy Driscoll, der kurzerhand droht, alle Sklaven, in den Süden zu verkaufen. Was die zwanzigjährige Roxy dazu veranlasst, ihren wenige Monate alten Sohn in die Kleider von Thomas Becket Driscoll, zu stecken, dem gleichaltrigen Sohn ihres Herrn.
Franßen zu Val McDermid "Ein Ort für die Ewigkeit" 20.04.2022 2:18
Eine erfolgreiche Autorin, die nicht unbedingt in der Liste der vergessenen Bücher aufgeführt werden müsste, wäre da nicht von einem erzählerischen Glanzstück zu erzählen. Ein Verbrechen, das nicht geschehen ist, aber geschehen sein muss, weil alle glauben, dass es geschehen ist.
Franßen zu William Faulkner "Als ich im Sterben lag" 13.04.2022 2:22
Auf dem Weg zur Begräbnisstätte gerät Addies Leichenzug von einer Bredouille in die nächste. Beim Einsturz einer Brücke geht beinah der Sarg verloren, ein verkrüppeltes Bein bricht erneut und selbst die Verstorbenen melden sich zu Wort. Das als Tragikomödie zu bezeichnen ist weit untertrieben.
Franßen zu "Kriegsromane" 06.04.2022 2:56
Romane wie die von Norman Mailer "Die Nackten und die Toten." oder Denis Johnson "Ein gerade Rauch". Wir haben sie gelesen und waren angewidert, teilten die Aussage, dass es nie wieder Krieg geben dürfte. Gerne werden Erich Maria Remarque "Im Westen nichts Neues genannt" oder Tolstois" Krieg und Frieden" zitiert. Hätten uns all diese Romane nicht zu einem Aufschrei bewegen müssen, der nicht als oh...
Franßen zu Martin Amis "Information" 30.03.2022 2:22
Mit "Information" ist Martin Amis nicht nur ein tiefer Einblick in das geschundene Dasein eines Autor gelungen, er hat eine Satire auf den Literaturbetrieb geschrieben.
Franßen zu Ingeborg Bachmann "Undine geht" 23.03.2022 2:13
Manchmal prägt sich von einem Erzählband nur eine einzige Erzählung über die Jahre ein. So geschehen bei Ingeborg Bachmann und ihrer "Undine geht" aus der sieben Erzählungen umfassen Sammlung "Das dreißigste Jahr". 1961 erschienen. Ein Monolog, der mit Sicht auf einen bekannten Stoff bricht.
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