Wolfgang Franßen
Der Literaturpodcast der vergessenen Bücher
Wir werden erschlagen von einer Flut an Neuerscheinungen. Niemand ist in der Lage, sie alle zu lesen. Wir pflegen unsere Lieblingsautoren/innen, folgen unserer Neugier und Empfehlungen, sind von manchem Buch enttäuscht, andere wiederum wünschen wir viele Leser. Dieser Podcast widmet sich den vergessenen Bücher und den Neuerscheinungen, die in den Regalen der Buchhandlungen verstauben. Jeden Mittwoch von nun an eine Autorin oder ein Autor. Die Welt der Literatur wächst mit jedem Jahr. Also schauen sie mir über die Schultern, vielleicht ist ja etwas für sie dabei.www.wolfgangfranssen.de
Author
Wolfgang Franßen
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Jul 8, 2026
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Episodes
Franßen zu Nathan Hill "Geister" 01.03.2023 2:34
In Nathan Hills Roman "Geister" taucht aus der Kindheit des Literaturprofessors Samuel Anderson nach einem Anruf eines Anwalts plötzlich die Mutter wieder auf. Sie steckt in der Klemme, braucht seine Hilfe. Hat sie doch eben erst einen reaktionären, revolvertragenden Gouverneur angegriffen, der Präsident werden will.
Franßen zu Ottessa Moshfegh "Lapvona" 22.02.2023 3:02
Wer einen historischen Roman á la Gablé oder Ken Follett erwartet, wird enttäuscht werden. Moshfegh geht es in der Übersetzung von Anke Caroline Burger weniger um eine harte, aber romantisierende Welt oder einen analytischen Blick wie bei Shakespeare. Sie erzählt ungeschminkt von der Gewalt. Von Männern gegen Frauen, Vätern gegen Söhne, verrückten Despoten gegen das eigene Volk.
Franßen zu Pier Paolo Pasolini "Ragazzi di Vita" 15.02.2023 2:34
Welche Wirkung "Ragazzi di Vita" von Pier Paolo Pasolini im Italien der Nachkriegszeit hatte, ist heute kaum noch vorstellbar, wo alle Tabus gebrochen zu sein scheinen. Dass ein Roman gleichermaßen die Parteien und die Kirche gegen sich aufbringt, die Geschichte einer Gruppe von Außenseitern quer durch die Gesellschaftsschichten verstört und ausgerechnet den römischen Underdogs eine literarische S...
Franßen zu Jean Malaquais "Planet ohne Visum" 08.02.2023 2:28
In seinem Roman "Planet ohne Visum" erzählt Jean Malaquais von der heraufziehenden Gefahr, die den französischen Alltag im Süden zerfrisst. Kurz vor Besetzung der freien französischen Zone durch die Nazis, greift die Hoffnungslosigkeit um sich. Nur wer über genügend Geld verfügt, ist in der Lage, sich ein Visa zur Flucht zu besorgen. Ohne das gar nichts geht.
Franßen zu Partick McCabe "Der Schlächterbursche" 01.02.2023 2:39
Die Geschichte des Francie Brady ist alles andere als die eines hilflos Gepeinigten. Der Butcher Boy setzt seine Wut frei und den Schweinehälften im Schlachthaus gerne Mal das Bolzenschussgerät an den Schädel. McCabe gelingt es seinen Ich-Erzähler mal seelenlos, mal missbraucht und mal brachial poetisch von seinem Leben erzählen zu lassen. Immer auf der Suche nach Freundschaften. Ganz nach dem Mot...
Franßen zu Robert Lowry "Tag, Fremder" 25.01.2023 2:28
Eine weiße Frau und ein farbiger Mann im Amerika der 1950er Jahre. Wir denken nur an Sami Davis Jr. und May Britt, deren Verbindung den Ku-Klux-Klan heraufbeschwor. Das bigotte Amerika jener Jahre verzieh niemandem, der sich nicht an seine Regeln hielt. Robert Lowry lehnte seinen Roman "Tag, Fremder" in der Übersetzung von Carl Weisner an das Leben von Sugar Ray Robinson an.
Franßen zu Cormac McCarthy "Verlorene" 18.01.2023 2:56
In Knoxville versammeln sehen die Verdammten. Mitten unter ihnen Suttree, der auf einem abgehalfterten Hausboot lebt und sein Leben fristet. Das McCarthy der Chronist derjenigen ganz unten ist, hat er in vielen seiner Romane unter Beweis gestellt. Einmal dort angelangt sind selbst die Träume grau und nur Schmerz macht einem Tag für Tag klar, dass man noch am Leben ist.
Franßen zu Chris Kraus "I love Dick" 11.01.2023 2:39
Der Guardian schrieb über den Roman "Das wichtigste Buch, des 20 Jahrhunderts über Männer und Frauen." Aberwitzig beschreibt sich die Autorin Chris Kraus als gescheiterte Künstlerin in den Vierzigern und lebt mit ihrem französischen Mann Sylvère Lotringer das Leben einer New Yorker Intellektuellen. Er ist es durch den sie Dick kennenlernt und seinem männliche Auftreten eines Cowboys verfällt, der...
Franßen zu Margaret Atwood "Der lange Traum" 04.01.2023 2:10
"In der lange Traum" begibt sich eine junge Frau auf die Suche nach ihrem verschwundenen Vater auf eine Seeinsel, für die eine amerikanische Umweltorganisation ein Kaufangebot vorgelegt hat. Angesichts seines möglichen Todes drängen sich verschollen geglaubte Erinnerungen auf. In Begleitung ihres Freunds und einem Ehepaar findet die Erzählerin im Haus ihres Vaters jedoch kein Lebenszeichen von ihm...
Franßen zu Henry James "Washington Square" 28.12.2022 2:19
Henry James war ein Verführer, ein Connaisseur, ein Sprachvirtuose, der der aristokratischen Lebensweise zugeneigt war. Wenn er seinen "Washington Square" in der Mitte des 19. Jahrhunderts ansiedelt, sind die Gefahren der wohlhabenden Bürgerschicht wie bei den Landadligen einer Jane Austen darauf ausgerichtet, die richtige Partie zu machen. Was es hieß, eine Ehe zu schließen, hat in unserem Zeital...
Franßen zu Raymond Queneau "Zazie in der Metro" 21.12.2022 2:28
Nachdem arte die Namen der Nouvelle Vague noch einmal aufgezählt und gewürdigt hat, ist es an der Zeit, sich auch an die literarischen Vorlagen zu erinnern. Schließlich wurde "Zazie in der Metro" von Raymond Queneau, nachdem das Buch 1959 erschien, bereits ein Jahr später von Louis Malle in die Kinos gebracht, wenn auch als Komödie. Der Film hatte es wegen seiner grob-anstößigen Ausdrücke beim FSK...
Franßen zu Boris Van "Ich werde auf eure Gräber spucken" 14.12.2022 3:22
Angeblich hat Boris Vian mit seinem Verleger gewettet, dass er einen Bestseller schreiben könne und den innerhalb von vierzehn Tagen. Vian übersetzte aus dem Amerikanischen, spielte abends Trompete in einem Jazzlokal in Saint-Germain-des-Prés. Er war ein angesehenes Mitglied der Boheme des Nachkriegs-Paris und hatte mehrere Romane geschrieben. Darunter jenen, der ihn bei Literaten unvergesslich ma...
Franßen zu E.L. Doctorow "Homer & Langley" 07.12.2022 2:15
Das alltägliche Spiel der Begegnungen muss man nicht mitspielen, zumal inmitten von New Yorker, die allzu gerne das Klischee von sich besingen, niemals zu schlafen. E.L. Doctorow beschreibt in seinem Roman "Homer & Langley" zwei zur Berühmtheit gewordene Brüder, die einer Obsession verfallen waren. Sie sammelten alles, was sie in die Hände bekamen, stopften damit ihr Elternhaus voll und schotten s...
Franßen zu Lucy Fricke "Takeshis Haut" 30.11.2022 2:25
Lucy Fricke führt uns mit ihrem Roman "Takeshis Haut" in die verschlungene Welt des Hörens ein. Mit ihrer Geräuschemacherin betreten wir eine Welt, die nahe an der Stille liegt, obwohl der Alltagslärm um sie herum, sie erschlägt. Frida fliegt nach Japan, um die Geräuschkulisse für einen Film, die verlorengegangen ist, erneut einzufangen.
Franßen zu Gloria Naylor "Linden Hills" 23.11.2022 2:21
In der Übersetzung von Angelika Kaps spielt "Linden Hills" in einer Enklave der schwarzen Besserverdiener. In einem fulminanten Auftakt wird die Geschichte vom Aufstieg eines Brachlands zum Wohnort für Schwarze erzählt. Das Land wurde 1820 von Luther Needed erstanden, der dafür Frau und Kinder in die Sklaverei verkaufte. Mehr als 150 Jahre bleibt es im Besitz der Familie ist. "Ein schwarzer Spuckn...
Franßen zu David Payne "Bekenntnisse eines Taoisten an der Wall Street" 16.11.2022 2:28
Der Roman handelt von Sun I, dem Sohn einer jungen Chinesin und eines amerikanischen Bomberpiloten im Zweiten Weltkrieg, der als Waise in einem Kloster im Himalaya aufwächst. Aus dem Vater wurde ein Wall-Street-Tycoon. Und natürlich begibt sich der Sohn auf die Suche nach ihm und verbindet fernöstliche Weisheiten mit westlichem Erfolgsstreben.
Franßen zu John Cheever "Die Geschichte der Wapshots" 09.11.2022 2:10
Familienoberhaupt Leander ist in "Die Geschichte der Wapshots" Kapitän eines Ausflugsdampfers und blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte früher Generationen zurück. Er ist sich seines Stammbaums bewusst. Seine Vorfahren waren erfolgreiche Seefahrer und Kaufleute, während Leander selbst eher dem Glück hinterherläuft und nicht mal der Dampfer ihm gehört. Es läuft vieles nicht rund bei den Wap...
Franßen zu John McGahern "Unter Frauen" 02.11.2022 2:21
In John McGaherns "Unter Frauen" erzählt der Autor die Geschichte eines familiären Tyrannen, der um für die Freiheit der Republik Irland gekämpft hat und Zuhause von dieser Freiheit nichts wissen will. Michael Moran setzt mit eiserner Hand die traditionellen irischen Werte durch und unterwirft die Familie. Was für die Republik gelten soll, ist für Frau und Kinder nicht vorgesehen.
Franßen zu Truman Capote "Kaltblütig" 26.10.2022 2:36
Im November 1959 fand man die vierköpfige Familie Clutter brutal ermordet in ihrem Haus in Holcomb, Texas auf. Kurze Zeit später wurden die Täter gefasst und zum Tode verurteilt. Truman Capote erfuhr aus der New York Times von Dick Hickock und Perry Smith und fuhr nach Holcomb, um die Hintergründe zu recherchieren.
Franßen zu Sam Shepard "Der große Himmel" 19.10.2022 2:30
"Der große Himmel" umfasst 18 fast schon Miniaturen, die so klingende Titel wie: "Es war nicht Proust", "Alle Bäume sind nackt" oder "Großer Himmelstraum" in der Übersetzung von Uda Strähling tragen. In ihnen scheint Shephards Anfangszeit als Drehbuchautor von Zabriskies Point und als Bühnenautor von "Fool for Love" und "Burried Child" durch.
Franßen zu Leila Slimani "Das Land der anderen" 12.10.2022 2:55
Der Roman spielt zur Zeit des marokkanischen Unabhängigkeitskampfes. Mathilde, die Französin, und Amine Belhaj, ein marokkanischen Offizier im Dienst der französischen Armee verlieben sich ineinander. Nicht ohne leichten Hochmut ihrer Familie gegenüber, weil sie in die Freiheit aufbricht, folgt sie ihm als Ehefrau nach Marokko, wo die beiden am Fuße des Atlas-Gebirges auf einem abgelegenen Hof leb...
Franßen zu Irmgard Keun "Das kunstseidene Mädchen" 05.10.2022 2:31
Weltwirtschaftskrise. Was dieses Wort bedeutet, wird uns allmählich bewusst, wenn sie auch bei weitem nicht mit jener von 1929 zu vergleichen ist, in dem der Roman "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun spielt. Ein frische, frecher, fordernder, unangepasster Ton, der mit dem Bild, was Frauen dürfen, brach. Hier ergab sich eine Frau nicht in das, was man von ihr erwartete. Sie besaß eigene Seh...
Franßen zu Sándor Márai "Die Glut" 28.09.2022 2:13
Ein fünfundsiebzigjähriger General, der sich nach dem Tod seiner Frau Krisztina vor mehr als drei Jahrzehnten zurückzog, erwartet den Besuch seines Jugendfreundes Konrad. An diesem Abend erhofft er sich in einem ungarischen Jagdschloss am Rand Karpaten Antworten auf seine Fragen. Das Schloss selbst hat bessere Zeiten erlebt. Es hat sich zusammen mit dem General überlebt und spiegelt eine untergega...
Franßen zu Omar Pahmuk "Schnee" 21.09.2022 2:16
Der Dichter Ka kehrt 1992 angesichts des Todes seiner Mutter nach Istanbul zurück. Nach zwölf Jahren, die er wegen seiner sozialistischen Ansichten im Exil verbracht hat. Die Zeitung Cumhuriyet schickt ihn nach Kars, um nach der Ermordung des Bürgermeisters über die Neuwahlen zu berichten und über die Hintergründe der rätselhaften Selbstmorde junger Frauen wegen des Kopftuchverbots an der Universi...
Franßen zu Joan Didion "Blaue Stunden" 14.09.2022 2:19
"Blaue Stunden" heißt der Roman in der Übersetzung von Antje Ravic Strubel. Im Original: "Blue Nights" So verschiebt sich im Titel die Dunkelheit der Nacht in die Stunden der Dämmerung. In ihm erinnert Joan Didion an ihre Tochter Quintana Roo, die mit nur 39 Jahren verstarb und die sie zusammen mit ihrem Mann adoptiert hatte.
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