Andreas Altmann
Die Welt von A bis A
Autor Andreas Altmann ist ein ständig durch die Welt reisender Reporter – der sich gerne faszinieren lässt von den Menschen, die er unterwegs trifft. Hier erzählt er mit viel Herzblut von den Menschen, die ihn besonders beeindruckt haben.
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Autor
Andreas Altmann
Categoria
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Último episódio
28 de mai de 2026
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Episódios
Der blinde Fotograf 28.05.2026 31:22
Der Meister bestellt mich in eine Pizzeria ein. Er müsse mich erst »sondieren«, bevor ich in seine Wohnung darf. Wie verständlich, jemanden bei sich einzulassen ist ein intimer Akt. Noch intimer, wenn der Hausherr blind ist, absolut blind. Evgen Bavcar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Slowenien geboren, damals noch Teil von Jugoslawien. (»Bitte erwähnen Sie mein Alter nicht, Künstler haben kein...
Coitus interruptus (China) 16.05.2026 20:53
Eine Pekingoper fordert zur Gegenwehr heraus. Um nicht im frenetischen, zweigestrichenen C der Akteure zu erlöschen. Noch eins höher und Blut spritzt aus den Trommelfellen ungeübter Zuhörer. Griechische Rachegötter, so scheint es, werden als Opernsängerinnen in China wiedergeboren. Ich ging trotzdem hin, wollte wissen, wie viel europäisch erzogenen Ohren zumutbar ist. Der zweite Teil der Vorstellu...
Die Todeswallfahrt oder der eisige Penis (Pahalgam, Indien) 05.03.2026 38:25
Aus ganz Indien sind sie gekommen: nach Pahalgam, nahe dem Himalaya, dem Ausgangspunkt der Wallfahrt. Seit einer Woche bin ich hier, um mich mit all den anderen, den so vielen, vorzubereiten: auf die 50 Kilometer hinauf in 4500 Meter Höhe, auf staubige Hitze und eisigen Wind, auf Schnee und Gletscher. Mich treibt es zu den Sadhus, den »heiligen Männern«, die ihre Familien verließen, ihren Beruf, i...
Die schiefsten Typen der Stadt (New Orleans) 16.02.2026 26:50
KALDI‘s Ich gehe ins Kaldi's, einem der abgerisseneren Cafés in Lousiana. Obwohl New Orleans sich im bigottesten, stirnackigsten, judenfeindlichsten, homophobischten und innigst Schwarze verachtenden Bundesstaat Amerikas befindet, hat sich die Stadt selbst - dank seiner internationalen Geschichte - ein gehöriges Mass an Frechheit und Toleranz bewahrt.
Ich bin der, der von Leichtigkeit nichts weiß 18.01.2026 27:12
An jedem Ende des Jahres ziehe ich Bilanz, notiere die gelungenen Taten und die anderen, die auf den Holzweg führten. Und die unentschiedenen, die, für die noch kein Ergebnis vorliegt. Die Freude bringen oder Tränen. Wunderlicherweise gebe ich nie auf. Das hat etwas Rührendes. Zuletzt, ganz unten, am Fuß der jährlichen Abrechnung, steht: „Désirs“. Das sind meine Vorsätze, meine Sehnsüchte für die...
Die Frau ist eine Goldgrube (Palästina) 13.11.2025 16:08
Mit einem Sammeltaxi nach Nablus. Eine Stunde lang muss ich mich um nichts kümmern, brauche nur da zu sein und zu schauen. Vorne lenkt einer und hinten sitzt einer, der jetzt durch wuchtige Landschaften fahren darf, nein, gefahren wird. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortete einst Albert Londres, der Urvater aller französischen Reporter: „Je suis un voyeur“, ich bin ein Sehender. Das muss ein...
Das Glück des Augenblicks (NewDelhi) 02.11.2025 27:53
Mira lernte ich in der indischen Hauptstadt kennen, wo sie am Goethe Institut arbeitete. Wie hilfsbereit sie war, wie schnell im Kopf, wie scheu. Ich war als Reporter unterwegs, und sie wusste so vieles, von dem ich keine Ahnung hatte. Als sie mich Monate später im fernen Europa besuchen kam, wurde die Nähe intim. Und sie und Mira waren ein Desaster. Eine erwachsene Frau, erfolgreiche Literaturdoz...
Frida, Diego, Trotzky und das blaue Haus (Mexico City) 11.09.2025 24:33
Auf nach Coyoacán, das Viertel hat koloniales Flair und wenig Hungernde. Ich komme am weltberühmten „casa azul“ vorbei, in dem Frida Kahlo bis zur ihrem Tod 1954 wohnte. Mit dem überdicken Diego Rivera, den sie als Frosch mit weißlich-grüner Haut bezeichnete, mit wabbeligen Hängebrüsten. Der sie liebte und nebenbei eifrig mit anderen Frauen schlief. Was sie ihm mit zahlreichen Liebhabern (und Lieb...
Der Preis der Leichtigkeit ( Kloster Thamkrabok, Thailand) 28.08.2025 29:43
Ich lerne Phra Hans kennen, Schweizer, Mönch, knapp 60, wunderbar hilfsbereit und vom dem leidenschaftlichen Willen bessessen, die Suche nach Erlösung und Erleuchtung voranzutreiben. „Noch hänge ich am Kreuz“, sagt er, und da müsse er herunter. Denn noch fühle er sich von der Schwere des Lebens gekreuzigt. Die er loswerden will, endlich. Dann, so phantasiert er, begänne die Leichtigkeit.
Von Bannmeilen und Bettelgängen (Tag 1 der Wanderung von Berlin nach Paris) 14.08.2025 34:43
Nach einer halben Stunde verlasse ich Paris. Nichts könnte der Stadt gleichgültiger sein. Keine vierzig Minuten sind vergangen und eine erste Depression nagt. Jeffrey fällt mir ein. Ich merke, dass mein Hirn nach Erinnerungen sucht, die mich nähren, wenn es sein muss, peitschen: Richtung Osten, Richtung Berlin. Habe ich Glück, dann treffen in meinem Kopf die richtigen Bilder und Gedanken ein. Mit...
82 Behauptungen übers Reisen 14.03.2025 30:52
Kleines Vorwort: „Reisen bildet“, meinte unser aller Übervater Goethe. Nicht unbedingt. Ich kenne Leute, die haben schon mehrmals den Planeten umkreist und kamen dennoch einfältig wie eh zurück. Wer keine Neugier einpackt, der bleibt besser zu Hause. Da fällt mir ein, dass ich die Scheuen ebenfalls getroffen habe, die lieber hierbleiben und nicht fortgehen. Und so manche waren voller Esprit, wisse...
Die Sache mit der Sehnsucht 28.02.2025 21:02
Die Sehnsucht ist ein vielschneidiges Schwert. Und die Sehnsucht nach Liebe wohl die gefährlichste. Vor nicht langer Zeit erzählte mir ein Freund, dass er sich verliebt hatte. Auf einem Festival. Nach vier Tagen schworen sie sich gegenseitig Liebe. Dann mussten sie auseinander, jeder zurück in seine Stadt. Mit dem feurigen Versprechen, sich so bald, nein, so schnell wie möglich wiederzusehen. Zwei...
Something beautiful will come your way (die letzte Kneipe vor der Grenze) 17.02.2025 30:28
In Canach kehre ich „Beim Manni“ ein, Wasser tanken und den nassen Körper ruhig stellen. Manni und drei Barflies sitzen im Dunklen vor dem Fernseher und zappen. Tour de Suisse, Wimbledon-Classics, eine Soap, Pokalspiele, Werbung für Fiat Punto, eine Soap, wieder Pokalspiele, wieder Wimbledon-Classics, eine dritte Soap, nochmal Tour de Suisse. Immer wieder leuchten die vier grün flimmernden Buchsta...
Ein Hurra auf äußere Werte (Bodensee) 24.01.2025 26:23
Es gibt Bahnhöfe, an denen mehr Dicke aussteigen als anderswo. In Überlingen zum Beispiel. Es ist ein ergreifendes Bild, wenn die großen und kleinen Dicken aus dem ankommenden Zug klettern und sich Richtung Ausgang schleppen. Boshafterweise reicht die Breite der Tür nicht für ein Pärchen Dicker. Jeder muss – einzeln und mutterseelenallein – hindurch. Ist er durch, steht er im lieblichen Überlingen...
Pornokino und Erektionshilfen (Kolumbien) 13.01.2025 17:08
Auf dem langen Weg zurück drückt mir ein Junge einen Wisch in die Hand. Darauf steht die Adresse eines Detektivs, der sich darauf spezialisiert hat, flüchtige Verlobte oder Ehefrauen ausfindig zu machen. „¡No sufras más en silencio!“ – Leide nicht mehr im Stillen. Auf der Visitenkarte sieht man einen Lasso schwingenden Reitersmann, der eine (flüchtige) Frau einfängt. Ich lächle, Jorge nickt lässig...
Das Geschirr im schwarzen Badewannenwasser 10.12.2024 18:46
Als ich zum ersten Mal in Paris lebte, hatte ich meine Wohnung in Deutschland vermietet. Ich war mir nicht sicher, ob mein Umzug nach Frankreich endgültig sein würde. Eines Morgens bestieg ich panikartig den Zug zurück nach M. Meine Untermieterin, so hatte ich nachts per Albtraum erfahren, war dabei, mein Hab und Gut zu ruinieren.
Für einen Moment Master of the Universe 17.11.2024 33:45
Ein Sommertag, eine laue Brise und eine Temperatur, die nichts als Glück verheißt. Das kommen wird – wenn auch über Umwege. Ich sitze auf der Terrasse eines Cafés, das noch nicht offen hat. Eine Frau, wohl eine Angestellte, kommt und fordert barsch, mich zu entfernen. Sie müsse die Kette aufsperren, die die Stühle verbindet. Seltsam, denn das Schloss befindet sich fünf Meter entfernt. Mein Hinweis...
Andreas, der Bücherdieb 21.10.2024 29:02
Ich weiß bis heute nicht, ob das, was ich getan habe, schrecklich war, ziemlich schrecklich. Oder nicht, eher ein Akt, der sein musste. Der genau passte. Weil er mich frei und leicht machte. Vor Jahren habe ich eine Story mit dem Titel „DER DIEB / Eine Liebesgeschichte“ veröffentlicht. Ich beschreibe darin die unglaubliche Mühe, den endlosen Stress, die Schweißströme, die Hungertage, die Geldhaufe...
Nachtfahrt mit Bus (die Bahn streikte) 13.09.2024 15:49
Das ist eine Episode, für die ein Autor sich niederwerfen muss. Aus Dankbarkeit. Sie passiert ihm alle hundert Jahre, und wenn sie passiert, dann ist sie grandios: Ich bestieg um 23 Uhr einen Bus (die Bahn streikte), wollte zum nächsten Ort einer Lesung. Auf dem Weg zu den hinteren Plätzen kam ich an einer Frau vorbei, die das Buch las, das ich vor Wochen veröffentlicht hatte.
Das Erste Mal, ein Desaster (München) 02.09.2024 19:25
Okay, gekrönt wurde ich nicht und ein richtiger Mann – einer, der trunken vor Freude seine Männlichkeit abfeuert – auch nicht. Und weit und breit keine, die mich begehrt und bejubelt hätte. Nur ein verbrauchtes Weib und ein Jüngling, der peinsam unbeholfen in sie hineinfuhr.
Im Obdachlosenheim Trier oder "Überleben im Dschungel" 21.06.2024 20:43
Ich bekomme ein Handtuch, ein Leintuch, zwei Bezüge für Kopfkissen und Decke. In dem mir zugewiesenen Zimmer liegen schon zwei Männer, die Fenster stehen weit offen und trotzdem schlägt mir ein heftiger Turnhallenduft entgegen. Einer sitzt und stellt sich als Hellmut vor, der andere hat sich bereits unter seinem Plumeau verkrochen. Im selben Augenblick erinnere ich mich an ein Gefängnis in Amerika...
Wenn Brasilien dir nicht nur den Atem raubt 06.06.2024 29:21
An einem solchen Ort kann man nur ein Unglück ausbrüten, und wir tun es. Auf zum Strand, rein ins Auto und los Richtung Stella Maris. Dort soll es am schönsten sein. Heute ist ein Feiertag und die restlichen vier Millionen Einwohner von Rio denken dasselbe. So wälzt sich mehrspurig eine Blechlawine zur anderen Seite der Halbinsel. Am Schluss werden es neunzig Minuten für 23 Kilometer sein.
Anna und die unheimliche Macht der Frauen 28.05.2024 19:28
Ich floh in ein Internat. Vorne in der neuen Klasse saß Anna, und ich saß ganz hinten. Müsste ich einen der Gründe angeben, warum ich ein schlechter Schüler war, ich würde auf die 18-Jährige deuten. Selbstverständlich trug sie Pullover, die wie eine zweite Haut ihre Formen nachzeichneten. Millimetergenau. Um das Leid auf Erden noch zu vergrößern. Wie alle Busenwunder wusste sie, dass sich etwas an...
Schambehaftet in der Subway (New York) 25.04.2024 17:43
Es gibt Peinlichkeiten, ganz und gar allein verschuldet, die man sich nicht verzeiht. Sie folglich nie vergisst. Sie sitzen im Kopf wie eine Kugel, die man nicht entfernen kann. Man nimmt sie mit ins Grab. In der linken Hand hielt ich ein Buch, mit der rechten umklammerte ich die Querstange über mir. Ich las eine schmale Gedichtsammlung von Robert Bly, der berühmt ist und den keiner in Amerika ken...
Ein amerikanisches Wunderkind (Palästina) 11.04.2024 21:24
Um halb neun kommt Danielle Marie Gram zum Frühstück. Ein amerikanisches Wunderkind. Schon ihr zuzuhören fordert Nerven. Jeden, den sie trifft, beschenkt sie. Entweder mit ihrer Großzügigkeit oder, wie jetzt, mit ihrer Geschichte. Hier stehen, aus Platzmangel, nur Auszüge aus der fulminanten Biografie einer so außergewöhnlichen, so jungen Frau.
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