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SWR2 Zeitgenossen

Wir sprechen jede Woche mit Zeitgenossen, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken: Sie sind Aktivist*innen, Künstler*innen oder Forscher*innen. Sie haben Zeitgeschichte erlebt und geprägt – und sie haben viel zu erzählen. Zur ARD Audiothek: https://www.ardaudiothek.de/sendung/swr2-zeitgenossen/8758618/

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10 oct. 2026

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Épisodes

Ervis Gega: „Musik ist eine Form der Demokratie“ 12.12.2025

Eine Karriere für einen Hollywood-Film. So steht es auf der Seite der „Villa Musica“, deren Leiterin die Ausnahmegeigerin Ervis Gega seit 2024 ist. Sie stammt aus einer Musikerfamilie, kam mit ihren Eltern als Kind albanischer Flüchtlinge nach Ingelheim, spielte in der Flüchtlingsunterkunft Geige und debütierte im Alter von acht Jahren mit dem Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy. Bereits...

Volker (KI): „Menschen sind eine Ansammlung von Fehlfunktionen“ 12.12.2025

Volker ist ein Staubsauger-Roboter, der Widerworte gibt. Der Creative Technologist, Autor und Regisseur Nils Corte hat Volker so trainiert, dass der sprechende Roboter als Schauspieler mitwirken kann. Deshalb rollt die KI nach ihrem Auftritt in „Ich hasse Menschen“ als Ensemble-Mitglied des Staatstheaters Nürnberg im Stück „Smart aber herzlich“ jetzt zum zweiten Mal über die Bühne. Den Charakter v...

Christoph Kramer: „Große Träume brauchen große Umwege“ 06.12.2025

Er ist der erste Fußballprofi in Deutschland, der einen Roman geschrieben hat. Und damit gleich auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist. Chris Kramer erzählt die Coming-of-Age-Geschichte eines 15jährigen, der genauso heißt wie er, der auch Profi werden will und im WM-Sommer 2006 die erste Liebe erlebt, aber nicht zu den Coolen zählt. Weil er alles dem Leistungssport unterordnet. Am En...

Thomas Köck: „KI hat den gleichen beschränkten Willen wie wir“ 29.11.2025

„KI essen Seele auf“ heißt das neue Theaterstück von Thomas Köck. Ob er beim Schreiben KI als Ko-Autorin benutzt hat – KI wie Künstliche Inspiration – lässt der Text offen. Fest steht: Orpheus, der Künstler, ist hier eine KI, besitzt einen eigenen Willen und tritt als handelnde Person auf: mal als Smart Car, mal als Chat Bot, mal als Drohne. Oft rücksichtslos. Somit allzu menschlich? Oder übermens...

Charlotte Wiedemann: „Wir erleben ein diplomatisches Abhaken kolonialen Unrechts“ 25.11.2025

Jedes Leben ist gleichermaßen prekär und schutzwürdig, findet die Journalistin und Autorin Charlotte Wiedemann. Und plädiert für eine „inklusive Erinnerungskultur“. In der deutschen Debatte um den Krieg in Gaza – nach dem Massaker der Hamas im Oktober 2023 – fordert sie eine Anerkennung des Leids beider Seiten. Nur so lasse sich eine Spaltung der Empathie verhindern. Ebenso wichtig ist ihr die Auf...

Die Fantastischen Vier: Wir können uns doch gar nicht auflösen 15.11.2025

Der letzte Bus? Zur letzten Tour? Die Fantas machen Schluss? Ja. Noch ein letztes Mal wollen sie mit „deutschem Sprechgesang“ auf Tour gehen. Das haben sie beim SWR Kultur Gespräch im Schauspiel Stuttgart vor vielen Fans verkündet. Und dann erst mal richtig Party gemacht. Die fing Mitte der Achtziger an, auch in Stuttgart, als „Krauts with Attitude“. Zuerst zu zweit, als „Terminal Team“. Richtig a...

Anna Melikova: „Russland will, dass wir Angst haben“ 08.11.2025

Muttersprache Russisch, Nationalität Ukrainisch, Kindheit auf der Krim. Ihren Debütroman „Ich ertrinke in einem fliehenden See“ schrieb Anna Melikova auf Russisch. Die jetzt gültige Version ist in deutscher Sprache erschienen. In dem autofiktionalen Text erzählt sie von einer queeren Liebesgeschichte, grundiert von Identitätskonflikten vor Kriegsbeginn, konfrontiert mit einem russlandtreuen Vater.

Ole Nymoen: „Ich will für keinen Staat sterben“ 01.11.2025

Zur Waffe greifen, bereit sein, Menschen zu töten, und das Land, das in früheren Kriegen „Vaterland“ genannt wurde, mit Gewalt zu verteidigen? Der Publizist und Podcaster Ole Nymoen verweigert sich. Und begründet dies in seinem Buch „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“: einem Plädoyer gegen den Krieg, das in Deutschland für Aufsehen gesorgt hat. Wie kann diese Haltung vertreten werden a...

Tony Cragg: „Kunst ist das Menschlichste, was es gibt“ 25.10.2025

„Alles ist Bildhauerei“. Wie wir die Hände bewegen, wie wir Gedanken formen, auch die neuronale Aktivität des Gehirns und wie wir Emotionen bilden, hat für den Bildhauer Tony Cragg skulpturale Qualität. Formen zu finden, die uns berühren – gegen die monotone, repetitive Ästhetik der Warenwelt – ist seit Jahrzehnten seine zentrale Motivation. Kunst ist für ihn deshalb an sich politisch: Poesie als...

Thomas Kunst: „Meine Romane sind explodierende Groß-Gedichte“ 18.10.2025

Thomas Kunst ist ein Unikum in der deutschsprachigen Literaturlandschaft. Der 1965 in Stralsund geborene Kleist-Preisträger arbeitet seit 1987 in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und war lange nur einem kleinen Publikum bekannt, dabei gehört er zu den sprachmächtigsten Schriftstellern seiner Generation. Sein vielgelobter Aussteigerroman „Zandschower Klinken“ stand auf der Shortlist des...

Sonja Lahnstein-Kandel: „Offener Judenhass ist praktisch wieder normal“ 11.10.2025

„Wenn die Erinnerung verblasst, hat die Barbarei gesiegt“. Unter diesem Motto hat Sonja Lahnstein-Kandel mit ihrer Organisation „step 21 – Initiative für Toleranz und Verantwortung“ nach dem Massaker der Hamas im Herbst 2023 „siebteroktober.de“ gegründet. Die Website ist ein Mahnmal gegen das Vergessen, zugleich Kampagne gegen den seither zunehmenden Antisemitismus, gegen Täter-Opfer-Umkehr und fü...

Götz Aly: „Die Deutschen in ihrer Gesamtheit haben das NS-System getragen“ 04.10.2025

Deutschland 1933 bis 1945: „Wie konnte das geschehen“? Fragt der Historiker Götz Aly in seinem neuen Buch. Ohne Unterstützung aus der Mitte der Gesellschaft, ohne „die Masse der Mitte“, wie Hitler sagte, wären NS-Diktatur und NS-Verbrechen nicht möglich gewesen. Lautet eine wesentliche Antwort. Aber auch ohne Protestanten als Kernklientel der Nazis wäre der NS-Staat nicht realisiert worden. Gerade...

Jens Bisky: „Man kann aus der Geschichte auch das Falsche lernen“ 03.10.2025

„Wer nur auf Wiederkehr schaut, verpasst die Unterschiede, auf die es ankommt.“ Schreibt der Publizist Jens Bisky in seinem aktuellen Buch „Die Entscheidung – Deutschland zwischen 1929 und 1934“. Und warnt damit vor einer Gleichsetzung Weimarer Verhältnisse mit heutigen politischen Verhältnissen. Neben seiner Tätigkeit als Feuilletonredakteur der SZ, schrieb er u.a. Bücher über die Deutsche Einhei...

Martin Weinzettl: „Heute würde man sagen, Dürer war schwul“ 27.09.2025

„Wish you were queer“. Unter diesem Titel thematisiert das Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd die Sichtbarkeit und Un-Sichtbarkeit von LSBTI* in Kunst und Geschichte: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche und Intersexuelle, die seit Jahrhunderten oft Ächtung und Verfolgung erfuhren. Ihr Leben konnte in der Kunst lange nur codiert dargestellt werden, etwa von Albrecht Dürer in Werke...

Martyna Linartas: „Wir sind eine der ungleichsten Demokratien der Welt“ 20.09.2025

„Noch nie gab es so viel Reichtum. Und das ist ein Problem für uns alle“. Schreibt die Politikwissenschaftlerin Martyna Linartas in ihrem Buch „Unverdiente Ungleichheit“. Sie plädiert für eine Umverteilung von Vermögen. Und für einen Perspektivwechsel: Steuern sollten nicht als Last empfunden werden, sondern als Instrument für eine gerechtere Gesellschaft. Martyna Linartas kam im Alter von einem J...

Nevin Aladağ: „Ich zeige die Momentaufnahme einer diversen Gesellschaft“ 13.09.2025

„Social Fabric“ nennt die Künstlerin Nevin Aladağ ihre Bilder, mit denen sie Vielfalt sichtbar macht, indem sie Teppiche unterschiedlicher Herkunft zu einem Patchwork verbindet. Wenn sie Möbelstücke in Musikinstrumente verwandelt, wie 2017 bei der Documenta in Athen, hält sie der bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft einen Spiegel vor – und schafft zugleich Raum für Resonanz. Im Video „Traces“ geht s...

Mwangi Hutter: „Unterschiede sind Projektionen, die einem auferlegt werden“ 30.08.2025

Mwangi Hutter ist ein Künstler-Duo mit einer Persönlichkeit: „die Geschichte zweier Individuen, die zu einem Künstler verschmelzen“. So stellt sich das Paar auf seiner Website vor. In ihrer Kunst zeigen Mwangi Hutter, wie konventionelle Vorstellungen von Identität und Geschlecht, sozialer und kultureller Herkunft überwunden werden können. Geboren in Nairobi und in Ludwigshafen am Rhein, haben sich...

Ebele Okoye: „Ich bin eine Nomadin, immer noch“ 23.08.2025

Ebele Okoye hat einen weiten Weg gemacht: 1969 mitten im Bürgerkrieg Nigerias in großer Armut geboren, gelang ihr 2000 die legale Einwanderung nach Deutschland. Ab 2003 studierte sie in Köln ihr Wunschfach Trickfilm- und Animationszeichnerin. Heute nennt man sie „Mother of African Animation Movie“: die erste Trickfilmerin aus einem afrikanischen Land. Bekannt auch für ihre Social-Media-Videos. Sei...

Lara-Sophie Milagro: „Schauspiel für mich ist eine Überlebensstrategie“ 16.08.2025

„Sich nicht erklären müssen, sei das größte Privileg“ hat die afrodeutsche Schauspielerin Lara-Sophie Milagro mal gesagt. Denn sie muss und musste sich in ihrem Leben immer wieder erklären: als einziges schwarzes Mädchen in ihrer Schule, die trotz sehr guter Noten eine Realschulempfehlung bekam; als schwarze Schauspielerin, der in den ersten Jahren zunächst nur stereotype Rollen angeboten wurden,...

Joséphine Sagna: „Ich will Schwarze Frauen empowern“ 09.08.2025

„Grundsätzlich geht’s in meinen Arbeiten um die Identifikationsfrage einer Schwarzen Frau in einer weißen Mehrheitsgesellschaft“. Joséphine Sagnas Gemälde Schwarzer Frauen sind groß, laut, leuchtend, farbig, expressiv, emotional. Ein gesellschaftspolitisches Statement. Und pures Empowerment. Sie heißen „teach optimism“, „smash it“, „all eyes on me” oder „on my terms“. Joséphine Sagna, 1989 in Stut...

Natasha A. Kelly: „Wir sind dabei, die Gesellschaft wieder rassistisch zu machen“ 02.08.2025

„Schwarz. Deutsch. Weiblich“. Unter diesem Titel verbindet Natasha A. Kelly ihre eigene Geschichte mit der Kulturgeschichte Schwarzer Frauen in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert: Geschichten, die oft verschwiegen, übergangen, unsichtbar gemacht wurden. Um das zu korrigieren, ist sie Gründungsmitglied des „Black European Network“ zur Verbreitung Schwarzer Europäischer Geschichte, leitet „Black G...

Ciani-Sophia Hoeder: „Ich wünsche mir ein neues Klassenempfinden“ 30.07.2025

„Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher“. Der Titel sagt alles über strukturelle Armut und fehlende Möglichkeiten sozialen Aufstiegs in Deutschland. Oder einfach über „die Lüge von der Chancengleichheit“. Davon handelt das aktuelle Buch von Ciani-Sophia Hoeder. Sie war 14 Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter zum ersten Mal zur Berliner Tafel ging und sich dafür schämte, dass die Familie arm war – weil...

Sophie Yukiko: „Westafrikanische Kulturgeschichte ist nicht von meiner Identität zu lösen“ 26.07.2025

Mit dem „House of Saint Laurent“ prägte Sophie Yukiko die deutsche Voguing- und Ballroom-Szene, ursprünglich eine queere Schwarze Subkultur in New York, heute auch eine wichtige Inspiration für Mode und Mainstream, von Dior bis Beyoncé. Als Choreografin beschäftigt sie sich mit exzessivem Tanz als spiritueller Praxis und dem Erbe westafrikanischer Schwarzer Kulturen in Techno und Rave. Auch ihr Ta...

Anna Mayr: „Elend ist ein Status, in den man reinrutscht“ 19.07.2025

„Warum unsere Gesellschaft Arbeitslose verachtet und sie dennoch braucht – als drohendes Bild des Elends, damit alle anderen wissen, dass sie das Richtige tun, nämlich arbeiten“. Das beschreibt die Journalistin und Buchautorin Anna Mayr, die als Kind von Langzeitarbeitslosen aufgewachsen ist. Vor allem analysiert sie, warum Armutsbetroffenen falsche Vorteile begegnen: faul, desinteressiert, ungebi...

Susanne Schmetkamp: „Empathie allein reicht nicht“ 12.07.2025

Empathie – haben wirklich alle Menschen diese Fähigkeit? Der Perspektivwechsel, die Sichtweise anderer einnehmen zu können und ihre Emotionen wahrzunehmen, gilt als Grundlage der Ethik. Aber ist das schon Mitgefühl? Oder Mitleiden können? Und warum haben nicht alle Mitgefühl? Und warum nicht mit allen? Sind Populisten nicht extrem empathisch? Hat Empathie also eine abgründige Seite und gerade das...

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