Corinna Below (Initiatorin & Journalistin) & Carsten Janz (Journalist)

Ein Stück Deutschland - Der Podcast

Society DE ↓ 66 episodes

"Wir können doch nichts dafür. Deutsch ist und bleibt unsere Muttersprache."In San Miguel, einem Ort nördlich von Buenos Aires, steht das Hogar Adolfo Hirsch, das Altenheim der Deutsch sprechenden Juden Argentiniens. Ungefähr 170 alte Menschen leben hier, inmitten eines großzügigen blühenden Parkgeländes. Alle sind Einwanderer der ersten Generation. Sie sind in Deutschland, Österreich oder Ungarn geboren und ihre Lebensgeschichten sind bis heute eng mit Deutschland verknüpft, mit dem Deutschland der Nazizeit. Wir haben 49 von ihnen besucht, um mehr über ihr Leben zu erfahren. Einige haben wir...

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Corinna Below (Initiatorin & Journalistin) & Carsten Janz (Journalist)

Category

Society

Latest episode

May 29, 2026

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Episodes

"Wir konnten nicht mehr auf die Straße gehen, spielen" - #40 - Edith Sichel I 13.05.2023

Als ich Edith Sichel 2004 in San Miguel, Argentinien, interviewt habe, war das Erste, was sie mich fragte: „Kennen Sie die Karolinenstraße? Schule Karolinenstraße? Da sind wir in die Schule gegangen.“ Daran hat sie sich damals noch sehr lebhaft erinnert und davon konnte sie erzählen. Sie hat diese Schule geliebt. Eine jüdische Schule. Ich wohne ganz in der Nähe. Im Zuge der Recherchen für den Podc...

"Viele Compañeras von mir sind umgekommen. Schrecklich!" - #39 - Lesung Edith Sichel 21.04.2023

Als ich, die Autorin dieses Podcasts, Corinna Below, das Interview mit Edith Sichel von 2004 für den Podcast vorbereite, da denke ich: Was für eine positive Frau! Was für eine weiche, herzliche Stimme. Sie spricht so warmherzig von ihrer Hamburger Grundschule, der Schule Karolinenstraße. „Das war eine schöne Schule, muy linda!“ Eine jüdische Schule. Gerade erst hatte sie ein Buch über die Schule g...

"Das was passiert ist, darf nie wieder passieren" - #38 - Edith Weinberg - ein Nachtrag II 04.03.2023

Dies ist eine der zwei ergänzenden Folge zu den Folgen 18 und 19 über Edith Weinberg. Und zwar Teil II. Hier fließt eine Reise mit ein, die der EIN STÜCK DEUTSCHLAND Fotograf Tim Hoppe und die Autorin Corinna Below im vergangenen Sommer nach Silixen und Lemgo gemacht haben. Dort haben sie spannende Menschen getroffen. Unter anderem einen Punk-Musiker und einen Wohnungsverwalter, die sich gemeinsam...

"Man kann das einfach nur vorlesen und es wird einem schon schlecht." - #37 - Edith Weinberg - ein Nachtrag I 27.01.2023

Dies ist eine ergänzende Folge zu den Folgen 18 und 19 über Edith Weinberg. Hier fließt eine Reise mit ein, die der EIN STÜCK DEUTSCHLAND Fotograf Tim Hoppe und die Autorin Corinna Below im vergangenen Sommer nach Silixen und Lemgo gemacht haben. Dort haben sie spannende Menschen getroffen. Unter anderem einen Punk-Musiker und einen Wohnungsverwalter, die sich gemeinsam gegen Rechtsextremismus in...

"Glück spielt eine große Rolle" - #36 - EIN STÜCK DEUTSCHLAND - Der Film 31.12.2022

Im September 2019 ist die Autorin von EIN STÜCK DEUTSCHLAND mit der Kamerafrau Berit Ladewig nach Buenos Aires, Argentinien geflogen, um mit den verbliebenen Protagonistinnen aus dem Projekt zu drehen. Die Idee war, über die geschriebenen Geschichten hinaus ihre Erinnerungen an die Nazizeit und an ihre Flucht vor der Verfolgung im Film festzuhalten. Ein Dokumentarfilm sollte entstehen. Doch es feh...

„Die hatten noch nicht mal Geld zum Essen gehabt.“ - #35ESD - Edith Nassau III 09.12.2022

Zwei Monate war Edith mit ihren Eltern unterwegs gewesen, bevor sie nach viel Angst und Ungewissheit endlich im Hafen von Buenos Aires Anfang Oktober 1939 ankamen. Begrüßt von der ICA, der Jewish Colonisation Association kamen sie zunächst in einer Pension unter, bevor sie mit dem Zug nach Entre Ríos fuhren, aufs Camp, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch das Leben auf dem Land nördlich der P...

„Die deutschen Juden von Brasilien haben uns gerettet.“ - #34ESD - Edith Nassau II 27.10.2022

Am 11. August 1939 ist es endlich so weit. Familie Gumbert hat alle Papiere für die Auswanderung zusammen. Lünen haben sie längst verlassen. Mit der „Antonio Delfino“ verlassen sie den Hamburger Hafen „sozusagen mit dem vorletzten Schiff“, erinnert sie sich. Alle sind überglücklich und voller Angst zugleich, denn man rechnet jederzeit mit dem Ausbruch des Krieges. Als die „Antonio Delfino“ die eur...

"„Ich werde das nie vergessen, wie sie geschellt haben, geschellt und geschellt." - #33ESD - Edith Nassau I 10.09.2022

Am 9. Dezember 1921 kommt sie in Dortmund als Edith Gumbert zur Welt, und wächst in Brambauer und Lünen auf. „Das ist alles Westfalen, Kohlenpott“ erklärt sie. Obwohl sie noch sehr jung war, könne sie sich an die Machtübernahme der Nazis noch gut erinnern. „Ich habe viel zu viele Erinnerungen,“ sagt sie, „keine guten“. In dieser Folge erzählt sie davon. Sie berichtet, was sie und ihre Eltern dazu...

"Ich habe viel zu viele Erinnerungen" - #32ESD - Lesung Edith Nassau 08.07.2022

Als wir, der Fotograf Tim Hoppe und ich, Edith Nassau 2004 als Voluntaria im Altenheim für die Deutsch sprechenden Jüdinnen und Juden Argentiniens kennenlernen, da ist immer noch deutlich zu hören, wo sie herkommt. Aus Westfalen, Kohlenpott. Ihren Dialekt hat sie sich bewahrt. 
Am 9. Dezember 1921 als Edith Gumbert geboren, wächst sie in Brambauer und Lünen auf und sagt: "Ich habe viel zu viele Er...

"Die sind alle umgekommen." - #31ESD - Ruth Goldschmidt II 17.06.2022

1938 beschließt Familie Fleischmann, nun auch aus Holland auszuwandern. Sechs Jahre hatten sie hier gelebt. Schmerzlich war, dass sich Oma Bella weigerte, die lange Reise auf sich zu nehmen. Sie beschloss, in Holland zu bleiben und zog in ein jüdisches Altenheim. Ruth ist mittlerweile 10 Jahre alt und erinnert sich gut, wie sie sich von ihrer Oma verabschieden musste. Als sie das 2004 im Interview...

„Seine Freunde haben ihm gesagt, er soll seine Familie aus Deutschland heraus holen.“ - #30ESD - Ruth Goldschmidt I 03.06.2022

Ruth war erst vier Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter ihre Heimatstadt Hamburg fluchtartig verlassen muss, getarnt als Ferienreise. Die Kinder sollen den wahren Grund hinter der Flucht nicht erfahren. Die Eltern wollen sie nicht belasten. Der Vater ist Weinhändler. Er verkauft Moselweine in Nord- und Südamerika. Als die Nazis an die Macht kommen, warnen ihn seine Freu...

„Sie ist voller Sehnsucht nach ihrer Oma“ - #29ESD - Lesung Ruth Goldschmidt 15.05.2022

Ruth Goldschmidt ist Hamburgerin. Sie lebt im Grindelviertel, dort, wo vor der Shoah die meisten Hamburger Jüd:innen leben. Sie ist noch jung, als die Eltern entscheiden, dass die Familie keine Zukunft in Nazideutschland hat. Ruths Vater hat glücklicherweise einen Argentinischen Personalausweis, sodass der die Auswanderung problemlos veranlassen kann. Doch zunächst geht Ruth mit ihrer Mutter und i...

"Meine älteste Schwester ist ermordet worden. Frieda Kahn." - #28ESD - Lore Mayer III 02.05.2022

Lore Mayer erzählt zusammen mit Sven Sprowls über die Ermordung ihrer Schwester Frieda. In der dritten ausführlichen Podcastfolge zu Lore Mayer erzählen wir die Geschichte der Ermordung ihrer ältesten Schwester Frieda. Dieser sinnlose Tod hat sie bis an ihr Lebensende sehr beschäftigt. Im Interview 2004 ist sie immer wieder darauf zurückgekommen. Leider konnte sie 2004 aber keine Details mehr erzä...

"Wir haben alle an Deutschland gehangen. Das war eine große Trennung." - #27ESD - Lore Mayer II 25.04.2022

Wir beginnen die zweite Podcastfolge über Lore Mayer im Jahre 1933. Lore ist 23 Jahre alt und hat Liebeskummer. Gleichzeitig verändert sich ihre Welt in Mannheim, denn die Nazis haben die Macht übernommen. Jüdinnen und Juden wie sie werden schikaniert und entrechtet. Ihre Mutter treibt ihre Auswanderung voran. Weil sie aber nicht ohne einen Mann auswandern kann, heiratet sie Paul Mayer, den sie ni...

"Die Frauen waren alle fanatisch, waren verliebt in den Herrn Hitler" - #26ESD - Lore Mayer I 20.02.2022

Ihr Leben beginnt im November 1910. Lore Mayer wächst in wohlhabenden Verhältnissen mit drei sehr viel älteren Schwestern auf, besucht die höhere Töchterschule und wird auf das Leben als Sekretärin und Ehefrau vorbereitet. Doch dann kommt die Inflation, der Vater verliert sein gesamtes Vermögen. Sechs Jahre später stirbt er. Nachdem die Schwestern bereits aus dem Haus und verheiratet sind, müssen...

„Ich habe meine Schwester verloren“ - #25ESD - Lesung Lore Mayer 20.01.2022

Die Fluchtgeschichte von Lore Mayer - vorgelesen von Jutta Hagemann Als der Fotograf Tim Hoppe und die Autorin von EIN STÜCK DEUTSCHLAND Corinna Below Lore Mayer im November 2004 kennenlernen, ist sie schon Mitte 90 und hat vieles vergessen. Es fällt ihr schwer, sich zu erinnern. Zum Beispiel an ihre Kindheit und Jugend in Mannheim oder an ihre Heirat, den Umzug nach Darmstadt, den alltäglichen An...

"In einem fremden Land, ohne Freunde, das war sehr hart." - #24ESD - Doris Kaufmann 30.12.2021

Bevor sie nach Südamerika auswanderte, hatte sich Doris Kaufmann nie jüdisch gefühlt. In der Emigration spielt für sie das Jüdische dann doch eine vergleichsweise große Rolle. Als sie 1956 heiratet, tritt sie zum Judentum über. Die Schwiegereltern wollen es so. Ihre Kinder sind folglich Juden, „aber sie machen keinen Gebrauch davon. Ich hätte es mir also sparen können.“ „Was ist eine Jüdin?“ fragt...

"Was ist eine Jüdin?“ - #23ESD - Lesung Doris Kaufmann 19.12.2021

„Was ist eine Jüdin?“ fragt Doris Schwester eines Tages im Jahre 1936, als sie von der Schule nach Hause kommt. Auf der Straße war sie als solche beschimpft worden. Dass der Vater Jude ist, haben die Töchter nicht gewusst. Bevor sie nach Südamerika auswanderte, hatte sich Doris Kaufmann nie jüdisch gefühlt. In der Emigration spielt für sie das Jüdische dann doch eine vergleichsweise große Rolle. A...

"Mein Meister Ferdinand Bustin" - #22ESD - Lesung 23.11.2021

Dies ist ein Text von Sepp Pauli über den Vater von Siegried Bustin. Der Elektromeister, ein Tutzinger Original, schrieb ihn vermutlich in den 1970er Jahren. Später, nach Sepp Paulis Tod, wurde er in den Tutzinger Nachrichten in der Rubrik "Wie es früher war" in der Ausgabe Mai/Juni 1991 veröffentlicht. Ich bekam den Text von der Tutzinger Stadtarchivarin, nachdem ich nach Dokumenten zur Familie B...

„Man wundert sich doch, wozu ein Kulturvolk in der Lage ist.“ - #21ESD - Siegfried Bustin 08.11.2021

Siegfried Bustin ist 89 Jahre alt, als ich, die Autorin Corinna Below, zusammen mit dem Fotografen Tim Hoppe, ihn 2004 in dem deutsch-jüdischen Altenheim Hogar Hirsch in San Miguel, Argentinien besuchen. Ein kleiner, freundlicher Mann mit traurigen Augen. Zurückhaltend und wie unbeteiligt sitzt er da, auf seinem Stuhl am Tisch in seinem Zimmer Nummer 667. Er zeigt mit einem gewissen Stolz ein Heft...

„Sie haben mich durch den Ort geführt und diese hässlichen Lieder gesungen" - #20ESD - Lesung Siegfried Bustin 10.10.2021

Siegfried Bustin kommt als Nachzögling im Jahre 1916 in Tutzing bei München zur Welt. Seine Familie sei die einzige jüdische Familie im Ort gewesen. „Als die Nazis an die Macht kamen, wurden wir trotzdem noch gut behandelt“, erzählt er. Er habe sogar seinen Schulabschluss machen dürfen. Bescheiden, als ob es ein Geschenk war, dass ihm eigentlich nicht zustand. Er erzählt von einer Radreise, die er...

"Das Schlimmste ist, dass ich meine Eltern in Deutschland lassen musste.“ - #19ESD - Edith Weinberg 17.09.2021

Edith Weinberg hat ein Erlebnis besonders geprägt. Immer wieder erzählt sie im Interview 2004, dass sie ihre Eltern bei ihrer Flucht aus Nazideutschland nach Argentinien zurücklassen musste. Sie erzählt, wie der Vater in der Pogromnacht festgenommen wurde, dann aber doch wieder freigelassen wurde. Später wurden er und Ediths Mutter dann aber doch im KZ Auschwitz ermordet. Ihre jüngere Schwester An...

„Ich habe meine Eltern nie wieder gesehen.“ - #18ESD - Lesung Edith Weinberg 03.09.2021

Edith Weinberg hat ihre Eltern bei ihrer Flucht aus Nazideutschland nach Argentinien zurückgelassen. Eine traumatische Erfahrung, die ihr Leben geprägt hat. Im Interview mit der Autorin erinnert sie sich daran, als sie sich am Pier in Bremerhaven von ihren Vater verabschieden muss. Da waren ihre "Nervem am zerspringen". Sie hat ihn und auch die Mutter nie weidergesehen. Sie wurden im Konzentration...

„Wir wussten, wir können nicht länger warten.“ - #17ESD - Bärbel Oppenheimer 23.08.2021

Dass Bärbel und ihre Schwester aus Deutschland weg müssen, das ist den Eltern früh klar. „Die Jugend hat keine Zukunft“ heißt es damals. Juden dürfen nicht ins Schwimmbad gehen, nicht ins Kino und nicht ins Konzert. Für Bärbel, die ein kulturell interessiertes Mädchen ist, ist das schlimm. Nach 1933 geht sie auf eine jüdische Schule, weil sie das Lyzeum nicht mehr besuchen darf. Sie lernt alles, w...

„Juden dürfen nicht ins Schwimmbad gehen, nicht ins Kino und nicht ins Konzert." - #16ESD - Lesung Bärbel Oppenheimer 23.07.2021

Dass in der Nacht auf den 10. November 1938 die Nazis auch in Nürnberg Synagogen niederbrannten und die Scheiben jüdischer Geschäfte zu Bruch gingen, empfindet Bärbel Oppenheimer heute als persönlichen Glücksfall. Sonst hätte ihre Familie das geliebte Heimatland nie verlassen. Der Vater ist Besitzer einer Weingroßhandlung und einer Likörfabrikation, Träger des Eisernen Kreuzes, Soldat im Kampf für...

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